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Duisburg, 25.01.2008
Aufstellung eines Luftreinhalteplans für das Ruhrgebiet
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Arbeitsgemeinschaft Wochenmarkt ist ein in 2007 gegründeter Zusammenschluss von Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens, die sich insbesondere für die Belange der kommunalen Wochenmärkte einsetzen. Dabei sind sowohl zahlreiche Großstädte vertreten als auch viele mittlere und kleine Kommunen, die Wochenmärkte organisieren. Zusätzlich kooperieren wir mit dem überregionalen Marktbeschickerverein „Gemeinsam Handeln e.V.“, der mit viel Engagement die Markthändlerseite organisiert.
Mit großem Interesse verfolgen wir zurzeit die Diskussionen über die Aufstellung eines Luftreinhalteplans für das Ruhrgebiet. Dabei wollen wir nicht die Notwendigkeit von Umweltzonen bewerten oder die von den Gesetzgebern erhofften Verbesserungen, sondern sehen hier für die von uns vertretenen Angelegenheiten deutliche aber in ihrer Tragweite noch nicht quantifizierbare Auswirkungen.
In den der Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Städten werden zurzeit auf rund 150 Plätzen Wochenmärkte durchgeführt. Das sind rund 350 Veranstaltungen in der Woche, an denen ca. 3000 Marktbeschicker-Unternehmen teilnehmen. Die Marktbeschicker gehören im Regelfalle dem Kleinhandel oder dem Mittelstand an, viele von ihnen sind landwirtschaftliche Betriebe. Es ist davon auszugehen, dass in der Größenordnung ca. 10.000 Beschäftigte an der Organisation, Vorbereitung und Durchführung der hier genannten Wochenmärkte beteiligt sind.
Die Märkte sind heute in allen betroffenen Kommunen wichtige Komponenten des urbanen Lebens und Kommunikationszentrum in ihrem jeweiligen Stadtteil. Sie sind wichtiger Indikator für ein pulsierendes Zusammenleben und nicht durch den organisierten Lebensmitteleinzelhandel in seiner anonymen Form zu ersetzen. Die Wochenmärkte setzen heute immer noch sehr stark auf regionale Produkte, die im Umland angebaut und hier der Kundschaft tagesfrisch angeboten werden. Weitere unmittelbare Absatzfelder für regionale Produkte bestehen kaum und die Abhängigkeit der Produzenten, ihre Ware auf den Wochenmärkten anbieten zu können, ist elementar wichtig. Genau hier liegt jedoch das Risiko des Luftreinhalteplans. Viele der betroffenen Kleinhändler, Landwirte und Mittelständler werden ähnlich wie auch andere betroffene Berufsgruppen (zum Beispiel des Handwerks) innerhalb der diskutierten zeitlichen Grenzen allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage sein, Fahrzeuge vorzuhalten, die es ermöglichen, die Umweltzonen zu befahren. Dabei muss berücksichtigt werden, dass viele - insbesondere ältere Fahrzeuge - auch nicht nachgerüstet werden können, so dass lediglich der Neukauf von Fahrzeugen in Frage käme. Das würde zahlreichen beteiligten Unternehmen die wirtschaftliche Basis für ihre zukünftige Arbeit entziehen.
Weiter gilt es zu berücksichtigen, dass die Wochenmärkte für eine hohe Versorgungssicherheit in vielen Stadtteilen stehen. Im Fokus sind dabei insbesondere die frischen Lebensmittel wie z. B. Obst und Gemüse aber auch Backwaren, Fleisch und Wurstwaren, Molkereiprodukte sowie Fisch.
In immer mehr Stadtteilen ist mittlerweile die Grundversorgung mit Lebensmitteln in fußläufig zu erreichenden Entfernungen nicht mehr vorhanden, da sich insbesondere die größeren Filialbetriebe des Lebensmitteleinzelhandels inzwischen auf der grünen Wiese beziehungsweise an den großen Ausfallstraßen platziert haben. Vor allem der nicht mobile Anteil der Bevölkerung (überwiegend ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger aber auch Familien mit kleineren Kindern) ist jedoch auf eine wohnortnahe Lebensmittelversorgung angewiesen, für die an vielen Stellen die Wochenmärkte unverzichtbar sind. Sollten bei der Aufstellung eines Luftreinhalteplans die Belange der Wochenmarktbeschicker und damit auch der Wochenmärkte keine Berücksichtigung finden, so können hohe wirtschaftliche Schäden für die regionale Landwirtschaft durch das Wegbrechen der Absatzschiene Wochenmarkt" entstehen, negative Auswirkungen bezogen auf den Arbeitsmarkt in den betroffenen Regionen insbesondere in dem sensiblen Bereich der so genannten "ungelernten Arbeitskräfte" hervorgerufen werden, die Versorgungssicherheit mit frischen Lebensmitteln für erhebliche Teile der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet sein und die Urbanität in vielen Stadtteilen nachhaltig gestört und vernichtet werden durch den Rückgang beziehungsweise sogar die Gefährdung vieler Wochenmärkte.
Wir möchten Sie bitten, bei der geplanten Aufstellung von Luftreinhalteplänen die berechtigten Belange der Wochenmärkte (sowohl bezogen auf die Marktbeschicker als auch auf die Kundschaft) zu berücksichtigen. Gerne bieten wir an, in einen Dialog einzusteigen, um an verträglichen Lösungen mitzuwirken. Wir bitten Sie deshalb, die "Arbeitsgemeinschaft Wochenmarkt" als Interessenvertretung der kommunalen Wochenmärkte in Nordrhein-Westfalen in die weiteren Überlegungen mit einzubeziehen. Ihrer Rückmeldung sehen wir mit großem Interesse entgegen.
Mit freundlichen Grüßen
Arbeitsgemeinschaft Wochenmarkt,
P. Joppa, Geschäftsführer
Frischekontor Duisburg GmbH
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